PFAS sind eine Gruppe von über 10.000 künstlich hergestellten Chemikalien. In der aktuellen Debatte um ein EU-weites PFAS-Verbot werden jedoch oft niedermolekulare PFAS (wie in Skiwachsen oder Löschschäumen) mit hochmolekularen Fluor-Elastomeren gleichgesetzt. „Hier ist eine klare fachliche Trennung nötig“, erklärt David Rupsch, Polymerchemiker bei KAUTASIT. „Niedermolekulare Stoffe können bioakkumulativ sein. Das heißt, sie können sich im menschlichen Körper anreichern oder ins Trinkwasser gelangen. Deren Verbot unterstützen wir vollumfänglich. Hochmolekulare PFAS hingegen sind wie eine extrem lange Perlenkette: Sie sind fest, lösen sich weder in Ölen noch in Säuren auf und gehen keine Verbindung mit dem menschlichen Organismus ein. Von diesen fertigen Elastomeren geht keine Gefahr aus.“

Alternativlos in der Hochtechnologie: Von Wärmepumpen bis zur Medizintechnik

Fluor-Elastomere zeichnen sich durch eine extreme Hitze- und Chemikalienbeständigkeit aus. In modernen Wärmepumpen, die in Kontakt mit aggressiven Kältemitteln und Ölen stehen, gibt es derzeit keinen anderen Werkstoff, der diese physikalischen Eigenschaften besitzt. Ein Verbot würde nicht nur die Heizungswende stoppen, sondern auch die Gesundheitsversorgung und die Industrie existenziell treffen. „PFAS-Substanzen sind momentan in vielen Bereichen alternativlos. Das läuft in der öffentlichen Wahrnehmung völlig unter dem Radar“, warnt Rupsch. Die KAUTASIT Gruppe setzt deshalb bereits heute auf maximale Transparenz und sorgt für einen Nachweis ihrer Materialien. Mithilfe des internationalen Materialdatensystems (IMDS) dokumentiert KAUTASIT präzise, welche Materialien vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt in den Verkehr gebracht werden. Durch diese Rückverfolgbarkeit ist die KAUTASIT Gruppe bestens aufgestellt, um auch auf zukünftige Gesetzesänderungen, beispielsweise in Hinblick auf die Rücknahme von PFAS-Artikeln nach deren Produktzyklusende, flexibel und rechtssicher zu reagieren.

Forschung in Sachsen: Gemeinsam mit der TU Dresden gegen die Abhängigkeit

KAUTASIT verschließt sich dem Wandel nicht. Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages treibt das Unternehmen eigene Forschungs- und Entwicklungsprojekte voran. In enger Kooperation mit dem Institut für Luft- und Kältetechnik Dresden wird intensiv an Ersatzstoffen gearbeitet. Doch Forschung braucht Zeit. „Die aktuell diskutierten Übergangsfristen von 1,5 bis 13 Jahren sind für die Entwicklung und Zertifizierung neuer Werkstoffe in sicherheitskritischen Bereichen oft nicht ausreichend“, so der technische Geschäftsführer Alexander Jahn.

Appell an die Politik: Wissenschaftliche Fakten vor schnellen Verboten

Der aktuelle Entwurf der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) wird derzeit vom SEAC-Ausschuss (sozioökonomische Analyse) geprüft. Im Rahmen der öffentlichen Konsultation hat sich die KAUTASIT Gruppe eingebracht, um für Vernunft in der Regulierung zu werben. KAUTASIT plädiert dabei für ein differenziertes Vorgehen nach dem Vorbild Großbritanniens und Kanadas: Eine generelle Freigabe für Fluor-Polymere, die nachweislich eine geringe Bedenklichkeit aufweisen. Da eine solche Regelung im aktuellen EU-Entwurf fehlt, setzt sich KAUTASIT nachdrücklich für die sogenannte „Option 3“ ein. Diese sieht Ausnahmeregelungen für essenzielle PFAS vor – kombiniert mit strengen Auflagen zur Emissionsminimierung während der Herstellung. „Es wird oft vorschnell beschlossen, etwas zu verbieten, ohne die Konsequenzen zu Ende zu denken“, warnt David Rupsch. „Wir brauchen eine fundierte, wissenschaftliche Entscheidung und keine pauschalen Verbote, die unsere Industrie und den technologischen Fortschritt im Kern treffen. Diese wissenschaftliche Grundlage wird für Ende 2026 erwartet – darauf sollten wir warten.“

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